Von Martin Jay am 07.01.2026 (im Original hier, übers. v. RBK)
Wurde Putin von Trump ausgetrickst? Sind diese beiden Staatschefs wirklich Freunde, die jetzt in der Ukraine-Frage – oder auch in anderen Bereichen – zusammenarbeiten können?
Analysten werden nun die nächsten Schritte Chinas und Russlands nach Trumps dramatischer Machtübernahme in Venezuela, seinem Diebstahl des venezolanischen Öls und seiner Bekräftigung der amerikanischen Vorherrschaft in der Region genauestens unter die Lupe nehmen. Für Trump und seine Clique ist dies ein enormer Sieg, gemessen an ihren eigenen Werten und ihrer Weltanschauung. Einige argumentieren, dass die USA, bevor sie sich wieder als globale Hegemonialmacht etablieren können, sich zunächst als regionale Supermacht neu positionieren müssen. Das ist nun geschafft. Keine südamerikanische Elite wird jetzt noch ruhig schlafen können, wenn sie russische oder chinesische Waffen kauft oder einen Beitritt zur BRICS-Gruppe in Erwägung zieht. Diejenigen, die bereits dem neuen östlichen Handelsblock angehören, wie Brasilien, werden sich über den Wahnsinn von Donald Trump wundern – und sich fragen, ob er nach der Invasion Venezuelas überhaupt noch Grenzen kennt.
Bemerkenswert ist, wie wenig sich die Trump-Regierung bemüht, ihre wahren Absichten zu verschleiern – und wie wenig Widerstand, selbst symbolischer, von Europa geleistet wird.
Analysten betonen seit langem, dass Trumps Venezuela-Politik wenig mit Drogen zu tun hat. Der Großteil des Fentanyls, das die Opioid-Epidemie in Amerika anheizt, stammt nicht aus Venezuela, trotz Trumps wiederholter Behauptungen, Maduro stehe in Verbindung mit Drogenkartellen.
Es ging immer um einen Regimewechsel – ein Ziel, das in bestimmten Kreisen in Washington seit über einem Jahrzehnt verfolgt wird und seit Marco Rubio Außenminister wurde und sich den Sturz der kubanischen Regierung zum Ziel gesetzt hat, neuen Schwung erhalten hat.
Für Trump war der Gewinn zweifach. Erstens, einen neuen Standard in Südamerika und im gesamten globalen Süden zu setzen: Die USA werden ihre Muskeln spielen lassen und nicht länger neutrale Akteure tolerieren, die herzliche Beziehungen zu Washington unterhalten und gleichzeitig Russland, China und den Iran unterstützen. Zweitens, China zu treffen, indem ihm der Zugang zu billigem, lebenswichtigem Öl, das seine Wirtschaft antreibt, versperrt wird. Diese zweite Ebene des Plans trifft indirekt auch Russland, einen wichtigen Verbündeten Pekings.
Trumps Sieg in Venezuela wird jedoch in den kommenden Wochen und Monaten Konsequenzen haben – er wird eine neue Weltordnung einläuten, die der US-Wirtschaft nur schaden kann, ein Faktor, den er eindeutig nicht berücksichtigt hat. Trump entwickelt niemals Strategien, denkt niemals langfristig und berücksichtigt niemals die Auswirkungen. Die Operation der Delta Force war zwar aufgrund ihrer Schnelligkeit und ihres Erfolgs bemerkenswert (die letzte vergleichbare US-Invasion in Panama im Jahr 1989 dauerte zwei Wochen, um den Machthaber Manuel Noriega zu lokalisieren und zu fassen), aber wir sollten nicht übersehen, dass sie sich ausschließlich auf einen einzigen engen Vertrauten Maduros stützte, der ihn verriet. Es ist durchaus plausibel, dass Trump einfache Fragen von Journalisten darüber, wie die Dinge in Caracas laufen werden, nicht beantworten kann, weil er eine 24-Stunden-Operation geplant hatte, aber keine, die Wochen, wenn nicht Monate dauern könnte. Die gesamte Operation der Eliteeinheiten hing davon ab, dass die Informationen einer einzelnen Person an diesem Tag korrekt waren.
Vielleicht von der Schnelligkeit der Operation überrascht, wird Trump nun noch härteren Fragen gegenüberstehen: Wie wirkt sich dies auf Ihre einst so gute Beziehung zu Putin aus? Oder besser noch: Verschafft dies den USA eine stärkere Position im Zollkrieg mit China?
Putin soll entsetzt gewesen sein über die von den USA angeführten Bombenangriffe auf Libyen und die grausame Ermordung Gaddafis. Es ist unvorstellbar, dass die beim Gipfeltreffen in Alaska geknüpften herzlichen Beziehungen nach Maduros Festnahme aufrechterhalten werden können – ein Punkt, den Putins sofortige Forderung nach Maduros Freilassung als erste offizielle Reaktion unterstreicht. Russische Analysten, die Alaska skeptisch gegenüberstanden, könnten Putin nun sagen: „Sie wurden ausgespielt“, da Trump gerade einen wichtigen russischen Verbündeten in Südamerika entführt hat und bereits dessen Öl stiehlt. Putins Reaktion – und vor allem die Reaktion Trumps in den kommenden Tagen – wird entscheidend sein, um einen globalen Konflikt abzuwenden. Der Iran könnte zu einem neuen Projekt werden, in das auf einer völlig neuen Ebene investiert wird – insbesondere angesichts Trumps jüngster Warnung an Teheran in den sozialen Medien, dass Amerika „bereit zum Abschuss“ und bereit sei, einzugreifen, wenn die Demonstrationen nicht „auf zivilisierte Weise“ gehandhabt würden, so wie es Washington definiert.
Zum ersten Mal stellen chinesische und russische Staatschefs die wichtige Frage: „Hat Trump den Verstand verloren?“ Früher waren solche Äußerungen leichtfertig und unseriös, aber die neue Weltordnung, die er zu schaffen versucht, hat einige dazu veranlasst, seine geistige Gesundheit ernsthaft in Frage zu stellen. Die meisten Amerikaner sehen den Putsch in Venezuela jedoch nicht in seinem wahren Kontext. Sie sind schlecht informiert und begreifen nicht, dass eine wirtschaftliche Konfrontation mit China nicht zu gewinnen ist. Führende Experten weisen bereits darauf hin, dass China den Dollar abwertet und Gold kauft, was zu einer Abwertung der Währung führen würde. Wenn China den Verkauf von Seltenerdmetallen an die USA dauerhaft blockiert – was Auswirkungen auf die Elektronikindustrie, Elektroautos und sogar die Rüstungsindustrie hätte –, würde der Coup in Caracas als das angesehen werden, was er ist: ein außenpolitischer Schachzug, der Trump und sein Vermächtnis zu Fall bringen wird. Wie wird seine Medienmaschine mit den gestiegenen Preisen für chinesische Waren umgehen, wenn amerikanische Unternehmen zu kämpfen haben? Oder könnte Europa am Ende lachen, wenn die Blockade Chinas dazu führt, dass US-Verbraucher mehr europäische Produkte kaufen?
Der neue Trump, der aus dem Putsch in Venezuela hervorgegangen ist – mit einem vage ausgepägten, aber müden Blick, geblendet vom Sieg, den er den Journalisten entgegenwirft –, steht kurz davor, auf Widerstand aus einer neuen Weltordnung zu stoßen, die er selbst geschaffen hat. Seine nächtlichen, wirren Tweets, in denen er Iran droht, stammen von den Zionisten, die ihn kontrollieren, und sollten nicht ernst genommen werden. Natürlich liest Trump nicht und ist besorgniserregend unwissend, sogar was die Geschichte seines eigenen Landes angeht. Wie kann er dem iranischen Staatschef Vorträge über den Umgang mit Protesten halten, wenn amerikanische Truppen 1970 in Kent State vier Studenten mit scharfer Munition getötet haben? Die ironiefreie Zone, in der Trump agiert, wenn er Regime auf der ganzen Welt bedroht, wird auf komische Weise realitätsfern, und er selbst wird zur Witzfigur. Bis jetzt.
Die Venezuela-Aktion wurde von Rubio angeführt, dessen gesamtes politisches Mantra darauf basiert, Kuba, sein eigenes Land, zu bekämpfen und dessen Regime zu stürzen. Aber wir müssen die Kosten in dem Niemandsland berücksichtigen, in dem Trump lebt – einem Alice im Wunderland, in dem ihn keine Berater vor solchen Schritten warnen und es keine Konsequenzen zu geben scheint. Seine Beziehung zu Putin wird nie mehr dieselbe sein, wenn er Maduro nicht freilässt. China kann nicht zulassen, dass Trump seine Wirtschaft durch die Unterbrechung seiner wichtigsten Öltransportwege lahmlegt. Das Beste, worauf Trump hoffen kann, ist, dass Xi einfach die wirtschaftlichen Verluste berechnet und sie der US-Wirtschaft wieder auferlegt. In Wirklichkeit ist es schwer vorstellbar, dass China und Russland keine Strategie entwickeln, um den Schwung zu stoppen, den Trumps Clique von ignoranten Schwachköpfen ihm zuzuschreiben scheint.
Das Völkerrecht ist etwas, das die USA nur anderen auferlegen, ohne es selbst zu respektieren. Überall auf der Welt, wo es Bodenschätze oder Öl gibt – und wo die Staatschefs sich weigern, sich den unterwürfigen Bedingungen der USA zu beugen –, wird es zu einem Ziel. Die US-Bombardierungen in Nigeria sollten die dortige Regierung beunruhigen, ebenso wie Trumps idiotische Idee, Grönland zu „erobern“, was Dänemark in eine schwierige Lage gegenüber der Trump-Regierung und der EU bringen würde und möglicherweise eine neue Brexit-ähnliche Krise auslösen könnte, da Brüssel nicht den Mut hat, sich gegen Amerikas verrückten neuen König und seine abwegigen Ideen zu stellen. Wie lange wird es dauern, bis Amerika Terrororganisationen beispielsweise in Uganda „entdeckt“, wo kürzlich Gold gefunden wurde?
Die jüngsten, sensationell feigen Äußerungen der EU-Kommissionspräsidentin – einer machtbesessenen Irren, die die EU wie eine Mafiaorganisation führt, abweichende Meinungen unterdrückt und sich selbst fast monatliche Gehaltserhöhungen gewährt – sind besonders besorgniserregend. Bemerkenswert ist der Wandel von widerwilliger Unterstützung der US-Außenpolitik hin zur vollständigen Billigung der Verstöße Amerikas gegen das Völkerrecht. Wer außer China und Russland kann diesen Verrückten noch aufhalten, jetzt, wo er an Selbstvertrauen gewinnt und seine wahnsinnigen Ideen Fuß fassen?