Von Israel Shamir am 24. Juli 2026 (im Original hier; übers. v. RBK)
Vor einigen Wochen fand in Ankara, der Hauptstadt der Türkei, eine NATO-Konferenz statt, deren Ziel eine weitere Aufrüstung und Militarisierung war – Schritte, die unweigerlich zu einem neuen Großen Krieg führen müssen. Als Reaktion auf diese NATO-Konferenz versammelten sich am vergangenen Wochenende 200 Minister, Abgeordnete, Botschafter, Politiker, Aktivisten, Journalisten, Generäle im Ruhestand, Wissenschaftler, Diplomaten, Militärangehörige und Experten aus vielen Ländern in Ankara, um den neuen Großen Krieg der NATO zu verhindern. Unter ihnen befanden sich auch einige unserer Kollegen, Autoren der „Unz Review“, insbesondere Larry Johnson und Scott Ritter.
Die „Allianz zur Verhinderung des Großen Krieges“ kam zu dem Schluss, dass die Bedrohungen, die zu einem Großkrieg führen könnten, von den Vereinigten Staaten, der EU und Israel ausgehen. Die Angriffe der USA und Israels auf den Iran, der militärische Machtausbau der NATO in der Ukraine und der Einsatz von Stellvertreterkräften gegen Russland, der Völkermord Israels im Gazastreifen und die Angriffe auf den Libanon – all dies sind regionale Kriege, die das Risiko bergen, einen Großkrieg auszulösen.
Die NATO stellt als Instrument der US-Hegemonie eine Bedrohung für den Weltfrieden dar. Die von der NATO ins Visier genommenen Länder, allen voran Russland, stellen keine Bedrohung für Europa dar. Die Militarisierung Europas muss gestoppt werden. Der Kurs in Richtung einer Konfrontation zwischen der NATO und Russland muss umgekehrt werden. Die Eskalation des Konflikts birgt die direkte Gefahr eines Atomkriegs. Westliche Staats- und Regierungschefs dürfen Russlands „rote Linien“ nicht überschreiten, das russische Volk und seinen Präsidenten nicht provozieren oder deren Stärke „auf die Probe stellen“. Die Konferenzteilnehmer erklärten, dass die Waffenlieferungen an die Ukraine eingestellt werden müssen. Weitere Waffenlieferungen an Kiew würden früher oder später zu einer Ausweitung der militärischen Operationen in Europa führen.
Kurz gesagt fordert die „Allianz zur Verhinderung des Großen Krieges“ einen strategischen Zusammenschluss von vier Staaten – Russland, China, Iran und Türkei – gegen die USA, die EU und Israel. Noch nie zuvor wurde Israel als solcher Feind betrachtet – weder von Russland noch von der Türkei. Putin versuchte bei seinen ersten Besuchen in Israel, sich mit dem jüdischen Staat anzufreunden, und erklärte, dass es in Israel mehr als eine Million ehemalige Sowjetbürger gebe, die Russisch sprechen und familiäre Bindungen zu Russen in Russland pflegen. In jüngster Zeit ist Israel jedoch zu einer Bühne für antirussische Emigranten geworden, die starke Sympathien für einen unabhängigen ukrainischen Staat hegen. Dabei handelt es sich hauptsächlich um sowjetische Juden, die in der Ukraine geboren wurden oder deren Vorfahren aus der Ukraine stammten, was sie dem ukrainischen Staatsgebilde von Herrn Selenskyj zugeneigt machte.
Viele sowjetische Juden waren äußerst proamerikanisch eingestellt. Der russische Schriftsteller Viktor Pelevin schrieb einmal, dass ein moderner kultureller Jude – ob er nun in Moskau oder New York lebt – oft vor einem unbewussten Dilemma steht und nicht eindeutig beantworten kann, ob er in erster Linie ein Patriot Israels oder ein Patriot der Vereinigten Staaten ist. Die Unterstützung der Ukraine durch Israel hat dessen Beziehungen zu Russland getrübt, obwohl Israel versuchte, seine pro-ukrainische Haltung zu verbergen. Der russisch-israelische Journalist Artem Kirpichonok schrieb (mit einem Augenzwinkern) über Israels Beiträge zum Ukraine-Krieg:
1. Israelische Panzerabwehrwaffen wurden über NATO-Staaten in die Ukraine geliefert. Mit ihrer Hilfe konnte bereits eine Kolonne russischer Truppen in der Nähe von Charkiw vernichtet werden.
2. „Freiwillige“ – Veteranen israelischer Spezialeinheiten – wurden in die Ukraine entsandt. Wie der Abgeordnete Gerashchenko erklärte: „Die Besten der Besten. Auch sie wollen am Kampf des Lichts gegen die Dunkelheit teilnehmen. Schabbat Schalom!“
3. Ärzte und Krankenhäuser wurden bereitgestellt, um die ukrainische Armee und die Zivilbevölkerung zu unterstützen.
4. 76 Prozent der Israelis unterstützen die Ukraine (d.h. alle außer der arabischen Minderheit).
5. Der renommierte israelische Denker Yuval Noah Hariri merkte in einem Fernsehinterview an, dass Putin glaubt, die Ukrainer seien Russen, und dass nur eine Handvoll Juden, die die Ukraine übernommen hätten, sie daran hinderten, russische Panzer mit Blumen zu bewerfen. Somit ist Putin ein Psychopath und ein Antisemit.
6. Religiöse Kreise betonen die Tatsache, dass Putin am Vorabend von Purim einen Krieg gegen den Juden Selenskyj begonnen hat und daher unweigerlich das gleiche Schicksal erleiden wird wie Haman und Stalin.
Die Türkei stand Israel einst recht freundlich gegenüber, doch Israels Angriff auf das Schiff „Mavi Marmara“, das türkische Freiwillige nach Gaza beförderte, trübte diese Beziehung. Israels Völkermord in Gaza brachte die türkische Bevölkerung gegen Israel auf, während israelische Einwände gegen den Verkauf von Kampfflugzeugen durch die USA an die Türkei die Feindseligkeiten noch verstärkten. Und schließlich haben israelische Regierungsvertreter mit der Behauptung, „die Türkei sei der nächste Iran“, diese Tür endgültig zugeschlagen. So hat Israel seinen Teil dazu beigetragen, Russland, China, den Iran und die Türkei zu einer strategischen Union zusammenzuführen. Dennoch bleibt die Türkei weiterhin Mitglied der NATO, und Präsident Trump bezeichnet Präsident Erdogan als „seinen besten Freund“.
Die Beziehungen Russlands zum Iran sind sehr gut und könnten als „strategisch“ bezeichnet werden. Die „Allianz zur Verhinderung des Großen Krieges“ erklärte: „Einer der Faktoren, der die Vereinigten Staaten und Israel zweifellos davon abgehalten hat, bei ihren Angriffen auf den Iran Atomwaffen einzusetzen, war der nukleare Schutzschirm, den die Partnerschaft des Irans mit Russland und China bot. Wäre bereits ein strategisches Bündnis zwischen der Türkei, Russland, China und dem Iran geschlossen worden, hätte dies einen amerikanisch-israelischen Angriff auf den Iran von vornherein unmöglich gemacht.“
Was soll mit der NATO geschehen? Die „Allianz zur Verhinderung des Großen Krieges“ urteilte:
„Nicht die Umstrukturierung der NATO, sondern ihre Abschaffung würde der globalen Sicherheit dienen. Die europäischen Länder würden dadurch auch von der neuen und belastenden Bürde befreit, die die Vereinigten Staaten den NATO-Mitgliedern auferlegt haben.“
Zu den interessanten Rednern gehörte Prof. Dr. Ulrike Guérot aus Deutschland. Als renommierte Politikwissenschaftlerin präsentierte Prof. Guérot eine radikale Vision für die Zukunft Europas. Mit dem Argument, die NATO habe ihre historische Mission erfüllt, erklärte Prof. Guérot, Europa müsse sich von der amerikanischen Hegemonie befreien, zu einer neutralen Haltung übergehen und seine Zukunft gemeinsam mit Eurasien, insbesondere mit der Türkei, gestalten. Prof. Guérot widmete in ihrer Rede dem Krieg in der Ukraine viel Raum und behauptete, dieser Konflikt sei ein Stellvertreterkrieg, der seit langem vorbereitet worden sei. Die Politikwissenschaftlerin kritisierte die Ostausweitungspolitik der NATO und argumentierte, die NATO sei kein Sicherheitsbündnis mehr, sondern zu einem Spannungsfaktor geworden. Sie erklärte: „Wir haben die Berliner Mauer nicht eingerissen; wir haben sie lediglich tausend Kilometer nach Osten, nach Kiew, verlegt. Wir errichten eine starre NATO-Linie und spalten den europäischen Kontinent.“
Prof. Guérot schlug ein konkretes Kooperationsmodell vor, um die Abhängigkeit Europas von den Vereinigten Staaten zu verringern. Sie argumentierte, dass ein starker dreiseitiger Kooperationsmechanismus zwischen Paris, Moskau und Istanbul eine dauerhafte Ordnung des Friedens und der Unabhängigkeit auf dem Kontinent schaffen könnte.
In einer scharfen Reaktion auf Israels Politik gegenüber dem Gazastreifen bezeichnete Prof. Guérot die stillschweigende Zusammenarbeit und die anhaltende Waffenunterstützung durch die Europäische Union als „tiefe Schande“. Wahrscheinlich ist der Konflikt zwischen Israel und Palästina der tiefste Bruch zwischen den USA und dem Rest der Menschheit. Während die Welt Palästina unterstützt, steht Präsident Trump auf der Seite Israels, und der Völkermord ist ihm gleichgültig. Ich glaube, das wird sein Untergang sein.
Unser Scott Ritter sagte: „Um ehrlich zu sein, war das, was in Ankara (auf der NATO-Konferenz) geschah, ein Affront gegen die Souveränität der Türkei. Wir dürfen niemals vergessen, dass die in Ankara versammelten Länder keine Freunde der Türkei sind. Nicht ein einziges davon. Weder die Vereinigten Staaten, noch Frankreich, noch Deutschland, noch das Vereinigte Königreich, noch andere NATO-Mitglieder, noch Griechenland.“
Was dort stattfand, war nichts weiter als ein großes politisches Spektakel. Es war eine groß angelegte politische Farce, inszeniert, um die Türkei in das NATO-Abenteuer in der Ukraine hineinzuziehen und die strategische Position der Türkei – die Präsident Erdogan im Laufe des letzten Jahrzehnts mühsam aufgebaut hat – im Interesse Europas und zum Nachteil der Türkei auszunutzen.
Die Menschen müssen das verstehen: Alles, was die NATO tut – oder, besser gesagt, alles, was die Vereinigten Staaten tun –, läuft den Interessen der Türkei zuwider. Denn die Türkei war noch nie eine Priorität. Weder für die Vereinigten Staaten noch für die NATO.
Die NATO hat die Türkei vom ersten Tag ihres Beitritts zum Bündnis an für ihre eigenen Interessen instrumentalisiert. Die Türkei wurde in das Bündnis aufgenommen, um die Sicherheit der Südflanke der NATO zu gewährleisten. Doch diese Aufgabe endete faktisch mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Nun versuchen sie, die Türkei in einen noch größeren Sumpf zu ziehen: die Ukraine. Sie wollen, dass die Türkei aktiv an einem Krieg teilnimmt, der sich schon viel zu lange hinzieht, viel zu viele Opfer gefordert hat und wohl kaum so enden wird, wie es die NATO beabsichtigt – nämlich mit einer strategischen Niederlage Russlands.
Warum also hat Präsident Erdogan zugelassen, dass die NATO-Konferenz in Ankara stattfand?
Ich glaube, die Antwort liegt in der türkischen Wirtschaft. Meiner Meinung nach hoffte Präsident Erdogan, durch die Einladung westlicher Länder nach Ankara eine Atmosphäre des guten Willens zu schaffen, was für die Türkei positive Ergebnisse hätte bringen können. Ich glaube jedoch, dass er in dieser Hinsicht enttäuscht werden wird.
Im Gegenteil, ich glaube, dass die Türkei in der kommenden Zeit ihre Beziehungen zu Russland, China und in zunehmendem Maße auch zum Iran weiter ausbauen wird. Denn die Türkei wird erkennen, dass die Zusammenarbeit mit diesen Ländern, die sich der globalen Hegemonie der USA und der untergeordneten Rolle der NATO innerhalb dieser Hegemonie widersetzen, der richtige Weg für ihre eigene Zukunft ist.
Larry C. Johnson sagte: „Der Krieg in der Ukraine ist nicht einfach nur ein Krieg zwischen der Ukraine und Russland. Der Westen führt einen ‚NATO-Stellvertreterkrieg‘ und setzt die Ukraine gegen Russland ein.“
Die europäischen Staats- und Regierungschefs sehen sich in ihren eigenen Ländern mit einer Vertrauenskrise konfrontiert. Beispiele hierfür sind die Deindustrialisierung Deutschlands, die Volkswagen-Krise und der wirtschaftliche Abschwung.
Die Vorräte der NATO sind aufgebraucht; die Fabriken können die Arbeitslast nicht bewältigen.
Der Krieg in der Ukraine ist derzeit „der gefährlichste Krisenherd der Welt“. Die Vorbereitungen der NATO auf einen direkten Krieg erhöhen das Risiko einer nuklearen Eskalation, und Russland ist an einem Punkt angelangt, an dem es taktische Atomwaffen einsetzen könnte.
Deutschland wurde zudem durch Admiral Kay-Achim Schönbach vertreten, den Mann, der die Deutsche Marine befehligte und in den Ruhestand ging, um Kämpfe gegen Russen zu vermeiden. Er sagte:
Mein Name ist Kay-Achim Schönbach. Ich bin Vizeadmiral der Deutschen Marine im Ruhestand und war bis 2022 Oberbefehlshaber der Deutschen Marine.
Als Bürger eines europäischen Landes und als Deutscher kann ich in dieser Angelegenheit nur meine tiefste Besorgnis zum Ausdruck bringen. Seit den dunklen und gefährlichen Tagen der Kubakrise waren wir noch nie so nah an einer Eskalation, die zu einem großen Krieg in Europa führen könnte. Und ich glaube nicht, dass ich der Einzige bin, der zu diesem Schluss gekommen ist.
Insbesondere der Krieg im Donbass hat uns gezeigt, dass das Ignorieren des historischen Kontexts und das Versäumnis, eine eingehendere und vor allem unvoreingenommene Untersuchung der Konfliktursachen durchzuführen, zu den grundlegenden Faktoren gehörte, die diesen bewaffneten Konflikt erst möglich gemacht haben.
Die Kriege in Osteuropa hätten vermieden werden können. Das wissen wir. Das wissen wir alle.
Aus eigener Erfahrung kann ich heute mit Überzeugung sagen, dass eine auf gegenseitigem Respekt basierende und auf Augenhöhe geführte Diplomatie alle notwendigen Mittel bereitgestellt hätte, um zu verhindern, dass dieser schwelende Konflikt zu einem umfassenden Krieg eskaliert. Und ich glaube nicht, dass ich der Einzige bin, der diese Ansicht teilt. Wir müssen jedoch alle anerkennen, dass die einflussreichen Akteure im internationalen System reichlich Gelegenheit hatten, diesen Konflikt zu lösen. Vielleicht gab es keine vollständige Einigkeit in jedem Detail, aber es gelang ihnen, zu verhindern, dass der Konflikt außer Kontrolle geriet.“
Der Admiral erklärte dieses Verhalten seiner Vorgesetzten mit „Moralismus und fehlgeleitetem Idealismus“; meiner Ansicht nach ist diese Erklärung zu optimistisch.
Der griechische Journalist Dimitris Konstantakopoulos leitete eine der Sitzungen. Konstantakopoulos erklärte, dass die europäischen Sanktionen gegen Russland nicht auf Dauer tragbar seien. Der griechische Experte sprach eine Warnung aus und bewertete die Lage wie folgt: „Sowohl in der Ukraine als auch in Westasien steuern wir auf eine sehr gefährliche Situation zu, die, sollte sie eskalieren, sogar zu einem Atomkrieg führen könnte. Genau deshalb müssen wir die Spannungen abbauen, und ich befürchte, dass dies nur sehr wenige politische Kräfte in Europa erkennen. Das macht die Lage extrem gefährlich.“
Der griechische Experte stellte fest, dass die von Europa verhängten Sanktionen nicht gewirkt hätten. Konstantinopoulos sagte: „Die Sanktionen haben sich als unwirksam erwiesen. Wenn man jedoch das langfristige strategische Ziel der Vereinigten Staaten erreichen will, haben sie sich als wirksam erwiesen: nämlich Europa von Russland (und in der Vergangenheit von der ehemaligen Sowjetunion) zu trennen und Europa vollständig von den Vereinigten Staaten abhängig zu machen. Wenn das das Ziel der Sanktionen war, dann haben sie es erreicht. Übrigens glaube ich, die gesamte Operation in der Ukraine – womit ich den Staatsstreich von 2014 meine, denn die Ukraine-Krise begann nicht erst mit der russischen Intervention im Jahr 2022, sondern schon viele Jahre zuvor – all diese westliche Aggression auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR war geplant. Es handelte sich um eine präventive Politik, die darauf abzielte, ein potenzielles Bündnis zwischen Europa und Russland zu verhindern – oder, wie es der ehemalige französische Premierminister de Villepin formulierte, zwischen Europa, Russland und China.“
Es braucht mehr als eine Konferenz, um den bevorstehenden Großen Krieg zu verhindern. Dennoch war die „Allianz zur Verhinderung des Großen Krieges“ eine sehr nützliche Diskussion über mögliche Wege, dies zu erreichen. Und sicherlich viel besser als die NATO-eigene Konferenz, bei der nur Versuchsballons für ihre künftigen Kriegsverbrechen gestartet wurden.