Von Mike Whitney am 3. September 2026 (im Original hier; übers. v. RBK)
Donald Trump will keine Millionen iranischer Zivilisten töten. Aber Trump steht mit dem Rücken zur Wand, und die Zeit läuft ihm davon. Die strategischen Ölreserven gehen gefährlich zur Neige, die langfristigen Zinsen steigen langsam an, und ein globaler Ölschock steht unmittelbar bevor. Was wird Trump tun?
Faktisch ist der Krieg verloren. Was eigentlich als gezielte Operation zum Regimewechsel mit anschließenden massiven öffentlichen Demonstrationen gedacht war, hat sich zu einer quälend langen Phase der Anpassung entwickelt, in der sich der Führer der „einzigen Supermacht der Welt“ an die neue Realität gewöhnt, dass Amerika seine Hegemonie in einem Krieg beendet hat, den es nicht hätte führen müssen – gegen einen Feind, der uns nichts Böses wollte.
Das Thema, über das in den Medien nie berichtet wird, ist die einfache Tatsache, dass die über den Golf und den Nahen Osten verteilten US-Militärstützpunkte der Grundpfeiler der amerikanischen Vorherrschaft sind. Je mehr dieser Stützpunkte durch die präzisen Hyperschall-Raketen des Iran zerstört werden, desto mehr schwindet die regionale Vorherrschaft der USA, wodurch ein Machtvakuum entsteht, das von Teheran ausgefüllt wird. Das ist die neue Ordnung in der Region, und solange Trump keinen Weg findet, das Rad der Zeit zurückzudrehen, gibt es keinen Grund mehr, so zu tun, als seien die USA weiterhin der regionale Garant für Sicherheit. Und wenn die USA die vielen Öl produzierenden Länder nicht mehr vor Bedrohungen schützen können, besteht auch keine Notwendigkeit mehr, Ölverkäufe in Dollar abzuwickeln oder diese Einnahmen in US-Staatsanleihen zu reinvestieren. Kurz gesagt: Trumps Torheit im Iran hat den verheerendsten geopolitischen Wandel des letzten Jahrhunderts herbeigeführt, der die größte strategische Niederlage in der 250-jährigen Geschichte Amerikas darstellt. Nichts anderes kommt dem auch nur annähernd gleich.
Da wir nun wissen, worum es geht, sollten wir verstehen können, warum Trumps Drohungen, Atomwaffen gegen den Iran einzusetzen, nicht als leere Prahlerei abgetan werden sollten. Einfach ausgedrückt: Trump läuft die Zeit davon und er muss sich schnell entscheiden, wie er weiter vorgehen will. Aber – wie wir alle wissen – hat er sein Repertoire an konventionellen Waffen bereits ausgeschöpft, ohne dass der Iran dadurch dazu bewegt worden wäre, seinen Forderungen nachzukommen oder Zugeständnisse zu machen. Was kann er also tun?
Ja, was kann er tun? Das ist die Frage, die jedem vernünftigen Amerikaner, der diese Farce mitverfolgt, den Blutdruck in die Höhe treiben sollte, denn realistisch gesehen hat Trump nur zwei Optionen zur Auswahl: Entweder er zieht sich zurück und akzeptiert die Niederlage, oder er setzt Atomwaffen ein. Es gibt keine dritte Option.
Deshalb sollten die Amerikaner so besorgt sein, denn unser Präsident, dieser „Risikospieler“, ist dazu geneigt, (aus purer Verzweiflung) eine vorschnelle Entscheidung zu treffen, die den Lauf der Geschichte neu gestalten wird. Trump wird nicht in Schande abtreten. Es ist viel wahrscheinlicher, dass er etwas Riskantes und unendlich viel Hinterhältigeres unternimmt. Seht euch diesen Auszug des Autors Andrew Anglin an, der bereits im April durchschaut hat, was vor sich geht:
Es gibt Studien aus mehreren Jahrzehnten, die belegen, dass genau das, was wir in diesem Krieg erlebt haben, eintreten würde: Vergeltungsschläge mit ballistischen Raketen, die in der Lage sind, die US-Stützpunkte in der Region zu verwüsten und die Golfstaaten an der Westküste durch die Zerstörung von Häfen, Ölfeldern und Meerwasserentsalzungsanlagen für Jahrzehnte lahmzulegen, erfolgreiche Angriffe auf Israel sowie die Sperrung der Straße von Hormus. Zudem wusste jeder, der sich auch nur ein wenig mit der Situation auseinandergesetzt hatte, dass dies zu einer globalen Wirtschaftskrise führen würde, verbunden mit einer Verknappung von Öl, Gas, Düngemitteln und Helium.
Es ist völlig ausgeschlossen, dass die Israelis geglaubt haben: „Tötet den Ayatollah, und die Demokratie wird Gliedmaßen sprießen lassen und aus dem Persischen Golf hervorkriechen … Bibi ist vieles, aber er ist nicht dumm. Der Mossad verfügt über alle elektronischen Spionagedaten und die besten menschlichen Informationsquellen aller Geheimdienste weltweit. Die werden nicht auf so einen Blödsinn hereinfallen, über den jeder Politikwissenschaftsstudent im ersten Semester lachen würde.
Betrachten wir die aktuelle Lage: Der Iran hat das getan, was er offensichtlich vorhatte, und gewinnt den Krieg. Keine noch so massiven Bombardements können ihn davon abhalten, Raketen auf die Golfstaaten, US-Stützpunkte, Israel und jedes nicht genehmigte Schiff abzufeuern, das versucht, die Meerenge zu passieren. Selbst die vollständige Zerstörung der Städte nach dem Vorbild von Gaza wird diese Fähigkeit des Iran nicht beenden.
In den Podcasts werden folgende Möglichkeiten diskutiert: Entweder Trump gibt auf und kapituliert, indem er die meisten oder alle Forderungen des Iran erfüllt – darunter den Abzug der US-Truppen aus der Region, ein Ende der israelischen Aggression und die Erlaubnis für Teheran, in der Meerenge Maut zu erheben –, oder er bombardiert so lange weiter, bis ihm die Bomben ausgehen, während die Weltwirtschaft zusammenbricht, und der Iran auf unbestimmte Zeit das Ruder in der Hand behält.
Wenn wir diese Sichtweise einnehmen, müssen wir uns fragen, warum Bibi so vehement auf diesen Krieg gedrängt hat. Jedes der beiden genannten möglichen Ergebnisse versetzt Israel in eine weitaus schlechtere Lage als vor den Bombenangriffen.
Also: Was war Bibis Plan?
Die einzig mögliche Antwort auf diese Frage ist, dass Bibi vorhatte, die Voraussetzungen für einen Atomangriff auf den Iran zu schaffen. Wohlgemerkt nicht nur eine einzige Atombombe auf Teheran, denn das würde eigentlich nichts lösen, sondern 15 bis 20 Atombomben abzuwerfen und zu versuchen, die Zivilisation vollständig auszulöschen.
Iran-Krieg: Der nukleare Elefant in Trumps Kriegsraum, The Unz Review
Anglin bringt es auf den Punkt. Nach jedem objektiven Maßstab befindet sich Israel heute in einer schlechteren Lage als vor dem Krieg. Der Iran hat die weltweit wichtigste Wasserstraße fest im Griff, und die Macht der USA wurde durch die Beschädigung ihrer Militärstützpunkte erheblich geschwächt. Warum ist Bibi also so zuversichtlich, dass sich die Lage verbessern wird und Israel sich durchsetzen wird? Und warum hat niemand in den israelischen Medien die derzeitige Lage kritisiert, in der sich der Iran de facto zur regionalen Supermacht entwickelt hat? Sind sie unfähig zu einer objektiven Analyse, oder wissen sie etwas, was wir nicht wissen?
Was sie wissen, ist, dass jemand, der in den Epstein-Akten eine so große Rolle spielt wie Trump, nicht plötzlich vom Drehbuch abweichen und etwas Patriotisches tun wird, wie zum Beispiel die amerikanischen Streitkräfte abzuziehen und diesem Albtraum ein Ende zu bereiten. Nein. Trump wird tun, was man ihm sagt, und die Katastrophe anordnen, die Anglin vorhersagt. Dorthin führt das alles. Warum sonst wären die Israelis so sicher, dass sie gewinnen werden, wenn alle Anzeichen auf das Gegenteil hindeuten? Hier noch einmal Anglin:
Der einfachste Weg zu einem „gerechtfertigten“ Atomschlag wäre ein von Israel auf US-amerikanischem Boden inszeniertes Ereignis im Stil des 11. September. Das würde Trump wahrscheinlich dazu bringen, den Knopf zu drücken. Sollte dies jedoch nicht funktionieren, erscheint es wahrscheinlich, wenn nicht sogar sehr wahrscheinlich, dass Israel irgendwann einfach eine Gräueltat auf seinem eigenen Boden inszenieren, behaupten wird, „unsere Existenz sei bedroht“, und die Atomwaffen einsetzen wird.
Netanjahu würde dann zurücktreten und vom israelischen Gericht begnadigt werden.
Natürlich weiß ich nicht, ob dies tatsächlich geschehen wird … Es gibt unzählige unvorhergesehene Ereignisse, die eintreten und dies verhindern könnten. Derzeit ist es jedoch durchaus wahrscheinlich, dass der Iran-Krieg mit einem groß angelegten Atomschlag gegen das Land endet.
Iran-Krieg: Der nukleare Elefant in Trumps Kriegsraum, The Unz Review
Natürlich hoffe ich, dass Anglin Unrecht hat, denn ich glaube, ein Atomangriff wäre für den Iran und die Welt unvorstellbar schrecklich. Leider fällt es mir sehr schwer, Anglins Argumentation zu widerlegen – schließlich hat Trump diesen Konflikt monatelang in die Länge gezogen, obwohl er genau wusste, dass die US-Raketenangriffe nichts bewirkten, und dennoch hat er dieselbe gescheiterte Politik weiterverfolgt. Warum?
Weil seine einzigen wirklichen Optionen darin bestehen, zu fliehen oder Atomwaffen einzusetzen. Der Wert dieser Vergeltungsschläge liegt darin, dass sie den Eindruck erwecken, die USA kämen bei der Erreichung ihrer strategischen Ziele voran, während in Wirklichkeit eher das Gegenteil der Fall ist. Diese Angriffe bringen keinerlei Gewinn. Zu keinem Zeitpunkt hat der Iran seinen Griff um die Meerenge gelockert oder auch nur das geringste Anzeichen einer Schwächung gezeigt. Die iranische Führung ist mutiger und entschlossener denn je. Sie ist unerschütterlich in der Verteidigung ihres Landes. Hier noch ein letztes Mal Anglin:
Es wäre unfair zu behaupten, die Podcaster würden das Potenzial eines Atomkriegs nicht thematisieren. Es wird durchaus erwähnt. Die Tatsache jedoch, dass dies Bibis Plan gewesen sein muss, wird nicht angesprochen. Ich habe niemanden gesehen, der dies gesagt hat. Und doch gibt es keine andere Möglichkeit, dies logisch zu durchdenken.
Ich habe gehört, wie einige dieser Kommentatoren auf die Idee eingegangen sind, dass Bibi unmöglich an die Theorie eines „Volksaufstands“ geglaubt haben könnte, und ihre Antworten lauten, dass er vielleicht den Iran schwächen wollte – was definitiv unmöglich ist, da er genau gewusst hätte, dass genau diese aktuelle Situation eintreten würde –, oder dass er sich Sorgen um seine Gerichtsverfahren gemacht habe, was ebenfalls lächerlich ist, da er diese durch Kriege im Gazastreifen, im Libanon und im Westjordanland hinauszögern kann.
Es ist schlicht eine Tatsache, dass das Einzige, was Bibi gedacht haben könnte, war, dass er eine Reihe von Ereignissen auslösen könnte, die entweder dazu führen würden, dass Trump den Iran mit Atomwaffen angreift, oder dass Israel „berechtigt“ wäre, seine eigenen Atomwaffen einzusetzen. Er würde Ersteres bevorzugen, würde sich aber auch mit Letzterem zufrieden geben.
Iran-Krieg: Der nukleare Elefant in Trumps Kriegsraum, The Unz Review
Ich glaube, er hat recht. Das war schon immer der Plan. Bibi will weder einen Regimewechsel noch eine populistische Revolution noch die Kontrolle der USA über die riesigen Ressourcen des Iran. Nein. Er will, dass der Iran zu einem zweiten Gaza wird. Darum geht es hier eigentlich. Er will, dass der Iran von der Landkarte gefegt, ausgelöscht und zu einem schwelenden Trümmerhaufen wird. Israel wird nicht von „strategischen Zielen“ geleitet. Das ist doch lächerlich. Israel hat keine Strategie. Israel springt von einer Konfrontation zur nächsten und verursacht dabei so viel Tod und Zerstörung wie möglich, ohne auch nur im Geringsten an einen Endzustand zu denken, in dem Frieden und Sicherheit gedeihen können. Bibi glaubt an den permanenten Krieg; einen Dauerzustand, in dem Amalek hinter jeder Ecke lauert und Israel ständig Feindseligkeiten im Namen der „Selbstverteidigung“ initiieren muss. So funktioniert Israel.
Bibi will keinen funktionierenden Iran. Er will ein weiteres Nagasaki, ein weiteres Hiroshima; Verwüstung, so weit das Auge reicht. Das ist Netanjahus Warnung an alle, die es wagen würden, sich dem Staat Israel zu widersetzen. Jetzt muss er nur noch die richtigen Rahmenbedingungen (False Flag-Operation) schaffen, um einen Atomangriff als gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Das dürfte für einen „alten Hasen“ wie Bibi nicht allzu schwer sein.
Ach ja, und er muss Trump dazu bringen, die Tat zu vollbringen. In diesem Punkt gibt es keine Diskussion.