Von Paul Craig Roberts am 08.01.2026 (im Original hier, übers. v. RBK)
Russlands Reaktion auf die illegale Beschlagnahmung seines Schiffes „Marinera“ auf hoher See – ein Akt der Kriegserklärung – ist die Forderung an Washington, den russischen Staatsbürgern an Bord eine würdevolle Behandlung zu gewährleisten. Washington kümmert sich nicht im Geringsten um russische Forderungen. Putin hat Washington längst bewiesen, dass Russlands Drohungen harmlos sind.
Wie ich seit Jahren schreibe, treibt Russlands fehlende Aggressivität die Welt in einen Atomkrieg. Indem Putin jede Provokation toleriert, hat er deren Zunahme und Verschärfung gefördert. Als beispielsweise Russlands strategische Bomberflotte angegriffen wurde, weigerte er sich, dies als Kriegshandlung anzuerkennen. Auch als die Vereinigten Staaten versuchten, Putin in seiner Residenz zu ermorden, weigerte er sich, dies als Kriegshandlung anzuerkennen.
Die Beschlagnahmung von Schiffen auf hoher See ist ein Kriegsakt. Die Vereinigten Staaten haben in ihrer Geschichte stets anerkannt, dass die Beschlagnahmung von Schiffen auf hoher See ein Kriegsakt ist. 1801 entsandte Präsident Thomas Jefferson die US-Marine und das US-Marinekorps vor die Küste von Tripolis, um die arabische Beschlagnahmung amerikanischer Schiffe in internationalen Gewässern und den Verkauf der Passagiere in die Sklaverei zu verhindern. Als die Briten amerikanische Schiffe beschlagnahmten, führte dies zum Krieg von 1812. Nun behaupten die Vereinigten Staaten, US-amerikanisches Recht gelte für alle Schiffe in allen Ozeanen, und ein Bundesrichter hat diese absurde Behauptung untermauert, indem er einen Haftbefehl zur Beschlagnahmung eines leeren, unter russischer Flagge fahrenden Schiffes auf hoher See, 5.500 Kilometer von den Vereinigten Staaten entfernt, erließ.
Der Irre im Weißen Haus bezeichnet dies als „Schutz Amerikas“.
Das Seerechtsübereinkommen garantiert die Freiheit der Schifffahrt und verbietet die Beschlagnahmung von Schiffen, die in anderen Ländern registriert sind. Genauso wie Trumps Entführung des venezolanischen Staatsoberhaupts und der First Lady ein Amtsvergehen darstellt, ist auch die Beschlagnahmung von Schiffen auf hoher See ein solches. Doch erwarten Sie keine Rechenschaftspflicht in einem Land, dessen Bevölkerung einer Gehirnwäsche unterzogen und indoktriniert wurde, sodass sie glaubt, angegriffen zu werden und sich mit allen legalen und illegalen Mitteln verteidigen zu müssen.
Putin hat Washington davon überzeugt, dass keine Provokation außer ein paar bedeutungslosen Worten eine russische Reaktion hervorrufen wird. Dies ist der Weg zum finalen Krieg.
Chinas Untätigkeit ähnelt der Russlands und hat die von Präsident Nixon in den 1970er Jahren etablierte Ein-China-Politik untergraben. An ihre Stelle ist die wachsende Überzeugung getreten, dass Taiwan, wie Grönland, zu den Vereinigten Staaten gehört und von der US-Marine sowie Hunderten von nach Taiwan verlegten amerikanischen Raketen geschützt werden muss. Das Versagen der chinesischen Regierung, sich der Realität zu stellen, führt zu einem Krieg.
Dasselbe gilt für den Iran. Durch Untätigkeit hat die iranische Regierung ihren strategischen Vorteil verspielt und sich weiter isoliert und umzingelt. Zwischen den drei Ländern besteht nach wie vor kein gegenseitiges Sicherheitsabkommen. Ein solches Abkommen würde die Provokationen beenden. Offenbar sind die Regierungen nicht in der Lage zu begreifen, dass ihre Bemühungen, einen Konflikt zu vermeiden, ihn erst recht verschärfen.
Was wird die nächste Provokation sein? Dass die US-Marine in Sewastopol einläuft und die russische Schwarzmeerflotte beschlagnahmt? Vielleicht baut Russland deshalb einen alternativen Stützpunkt in der abtrünnigen georgischen Region Abchasien, um diese Demütigung zu vermeiden.