Das Moskwa-Rätsel

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Macht euch bereit: etwas tödlich „Asymmetrisches“ könnte bald auftauchen

Von Pepe Escobar am 25. April 2022, im Original hier, übersetzt von RBK)

Weder die NATO noch Russland sagen uns, was wirklich mit der Moskwa, dem legendären Flaggschiff der Schwarzmeerflotte, passiert ist.

Die NATO, weil sie es theoretisch weiß. Moskau hat seinerseits deutlich gemacht, dass es nichts sagen wird, solange es nicht sicher ist, was passiert ist.

Eines ist jedoch sicher. Wenn das russische Verteidigungsministerium herausfindet, dass die NATO es getan hat, wird es alle Hunde aus der Hölle auf die NATO loslassen, und zwar „asymmetrisch, tödlich und schnell“.

Zum Standort der Moskwa: Sie befand sich in der Nähe einer von drei Bohrinseln, die zur Überwachung eines ganzen Sektors des Schwarzen Meeres mit Hydrophonen und NEVA-BS-Radar eingesetzt werden, die westlichste, BK-2 Odessa, etwa 66 km nordöstlich der Schlangeninsel. Das Ganze war in die regionalen Überwachungssysteme integriert. Es wurde also buchstäblich alles überwacht: Schiffe, tief fliegende Ziele, kleinere Echos, sogar der wippende Kopf eines ahnungslosen Schwimmers.

Die Chance, dass irgendetwas – ganz zu schweigen von Unterschall-Neptun-Raketen und Bayraktar-Drohnen – durch dieses Luftnetz schlüpfen könnte, war also ziemlich gering.

Was könnte also passiert sein?

Es könnte sich um eine Art Unterwasserdrohne handeln, die entweder von einem heimlichen U-Boot oder von einem SBS-Team von der Westküste kommend mit Zwischenstopp auf der Schlangeninsel abgesetzt wurde. Diese Drohne hat es dann irgendwie geschafft, sich von unten durch den Rumpf der Moskwa zu bohren – und ihre Ladung im Inneren zur Explosion zu bringen.

Die folgenden Informationen stammen von einer hochrangigen Quelle in Brüssel: seriös, vertrauenswürdig, nachweislich seit fast zwei Jahrzehnten. Doch vielleicht verbreitet sie nur Desinformationen. Oder sie gibt an. Oder es handelt sich um grundsolide Informationen.

Bevor wir beginnen, sollten wir darauf hinweisen, dass es schwer ist, die Neptun/Bayraktar-Märchen zu glauben. Schließlich hatte die russische Flotte, wie wir gesehen haben, eine mehrdimensionale Überwachungs-/Verteidigungsschicht in Richtung Odessa aufgebaut.

Die Moskwa lag in der Nähe von Odessa, näher an Rumänien. Vor einem Jahr, so die Quelle, wurde auf ihr ein neues Phased-Array-Ortungsgerät installiert: die Ausleuchtungsreichweite betrug 500 km. Nach der ukrainischen Standarddarstellung wurde die Moskwa zunächst von einer Drohne getroffen, und die Ortungsgeräte und Antennen wurden zerstört. Die Moskwa war halb blind.

Dann – so die ukrainische Darstellung – wurden zwei Neptun-Marschflugkörper von der Küste aus abgeschossen. Die Lenkung erfolgte durch die Orion der NATO, die über Rumänien schwebte. Die Raketen zoomten auf das Schiff zu, wobei die Zielsuchköpfe ausgeschaltet waren, damit der Strahl nicht entdeckt werden konnte.

Es hätte sich demnach also um eine Lenkung durch die Orion der NATO gehandelt, welche die genauen Koordinaten übermittelte, was zu zwei Treffern und der anschließenden Detonation der Munition führte (das letzte ist dann der Teil, der vom russischen Verteidigungsministerium bestätigt wurde).

Ein strategischer Treffer

Die Moskwa war 100-120 km von Odessa entfernt im Kampfeinsatz und kontrollierte den Luftraum in einem Umkreis von 250-300 km. Damit sicherte sie die Überlappung der südlichen Hälfte der Republik Moldau, den Raum von Izmail bis Odessa und einen Teil Rumäniens (einschließlich des Hafens von Constanta).

Ihre Positionierung hätte strategisch nicht günstiger sein können. Die Moskwa störte die verdeckte Verlegung von Militärflugzeugen (Hubschrauber und Kampfflugzeuge) von Rumänien in die Ukraine durch die NATO. Sie wurde rund um die Uhr überwacht. Die NATO-Luftaufklärung war voll im Einsatz.

Als „Moskwa-Killer“ hat die NATO möglicherweise nicht die Neptun gewählt, wie von der ukrainischen Propaganda verbreitet; die Quelle verweist auf die NSM PKR der fünften Generation (Naval Strike Missile, mit einer Reichweite von 185 km, entwickelt von Norwegen und den Amerikanern).

Er beschreibt die NSM als „in der Lage, das Ziel entlang einer programmierten Route dank des GPS-angepassten INS [Inertial Navigation Set; Trägheitsnavigationssystem] zu erreichen, das Ziel selbständig zu finden, indem sie es in einer Höhe von 3-5 Metern anfliegt. Beim Erreichen des Ziels manövriert die NSM und setzt elektronische Interferenzen ein. Als Zielsuchsystem wird ein hochempfindliches Wärmebildgerät eingesetzt, das selbstständig die am stärksten gefährdeten Stellen des Zielschiffs ermittelt.“

Als unmittelbare Folge des Beschusses der Moskwa gelang es der NATO, einen Luftkorridor für den Transfer von Flugzeugen zu den Flugplätzen der Regionen Czernowitz, Transkarpatien und Iwano-Frankiwsk wieder zu öffnen.

Gleichzeitig scheint die Schwarzmeerflotte nach der Zerstörung der Moskwa „nicht mehr über ein Schiff zu verfügen, das mit einem Langstrecken-Flugabwehrraketensystem ausgerüstet ist“, so die Quelle. Natürlich ist auf der Krim weiterhin ein Dreiband-Radarsystem Sky-M im Einsatz, das alle Luftziele in einer Entfernung von bis zu 600 km erfassen kann. Man fragt sich, ob dies für alle russischen Zwecke ausreichend ist.

Was haben wir hier also wirklich? Fantasie oder Realität? Es gab nur eine Möglichkeit, das herauszufinden.

Ich habe die Information an den unschätzbaren Andrej Martjanov weitergegeben, der die Moskwa „unter dem Namen Slawa im Jahr 1981 kannte, als sie in der nördlichen Bucht von Sewastopol schwamm und meine Klasse, die anfangs an Bord des alten Kreuzers Dzerzhinsky Sommerübungen machte, eine ausführliche Einführung in sie erhielt. Sie war also eine alte Dame, und es ist schade, dass sie ihr langes Leben auf diese Weise und zu dieser Zeit beenden musste.“

Martjanow zeigte sich einmal mehr als absoluter Profi und betonte, dass zum jetzigen Zeitpunkt niemand wirklich weiß, was passiert ist. Aber er wies auf einige wichtige Punkte hin: „Pro NSM (wenn wir einmal diese Version akzeptieren), selbst mit seiner geringen Beobachtungsfähigkeit und GPS-Lenkung unter normalen Bedingungen (d.h. auf See bis zum Zustand 5-6) und normaler Funkdurchlässigkeit, hätte selbst das alte Fregattenradar der Moskwa diese Raketen in Entfernungen von Dutzenden von Kilometern gesehen, irgendwo zwischen 15-20 mit Sicherheit. NSM sind, wie alle NATO-Schiffsabwehrraketen, Unterschallraketen mit einer Geschwindigkeit von etwa 300 Metern pro Sekunde. Das bedeutet, dass selbst bei einer Entfernung von 15 Kilometern 45 Sekunden verbleiben, um die Spur zu erkennen und eine Lösung für den Abschuss zu errechnen, egal welcher Luftverteidigungskomplex gerade im Dienst ist. Das ist mehr als genug Reaktionszeit.“

Martjanow betont außerdem: „Es ist unmöglich, die äußere Wirkung der Anti-Schiffs-Rakete zu verbergen – man wird sofort wissen, was das Schiff getroffen hat. Um ein solches Ziel wie die Moskwa zu treffen und zu versenken, muss man außerdem eine Salve abfeuern und nicht nur zwei Raketen, wahrscheinlich mindestens 3-4. In diesem Fall würde Russland wissen, wer die Moskwa angegriffen hat. Weiß die NATO das? Ich bin mir sicher, dass dieses Ereignis ganz im Zeichen der NATO steht, wenn es sich nicht um eine interne Sabotage handelt, was zum jetzigen Zeitpunkt absolut nicht ausgeschlossen werden kann. Ich bin sicher, wenn Nebo [ein integriertes multifunktionales Radarsystem mit mehreren programmierbaren Multiband-Radaren und einer zentralen Datenintegration. Die Erforschung des Radarsystems begann im Jahr 1984. Der Radarkomplex besteht aus einem Gefechtsstandmodul und ein bis drei verschiedenen Radargeräten, die auf separaten 8×8-24-Tonnen-LKWs untergebracht sind. Der Hersteller behauptet, dass dieses Radarsystem US-Kampfflugzeuge der 5. Generation wie die F-22 und die F-35 aufspüren und den Start von ballistischen Langstreckenraketen erkennen kann, rbk] einsatzbereit gewesen sein sollte, dann hat es die [etwaige] Salve auch erfasst.

Was uns zum unvermeidlichen Schlusspunkt bringt: „Falls die NATO involviert war, bin ich mir sicher, dass wir Vergeltung sehen werden, denn, wie ich immer wieder zu Protokoll gebe, die US-Basen im Nahen Osten und anderswo sind nichts anderes als fette Prestigeziele.“

Machen Sie sich also darauf gefasst, dass etwas tödlich „Asymmetrisches“ auftauchen könnte.